Was ist für mich drin

Einen Instinkt teilen wir mit unseren Hunden und auch mit allen anderen Tieren. "Was ist für mich drin?"

Eine wesentliche Lektion in unserem Leben ist es, aus Fehlern zu lernen. Wir alle machen Fehler, das ist unvermeidlich. Wichtig ist es, zu erkennen, was wir tun müssen, um diese Fehler in Zukunft zu vermeiden. Dazu brauchen wir Ideen, Kreativität und Vorstellungskraft. 

Genau diese Eigenschaften können wir nutzen, wenn wir mit unserem Hund trainieren. Hunde tun, was sie tun müssen, und nicht mehr, um ihr Ziel zu erreichen. Wenn wir ihnen mit Respekt und Liebe, aber auch mit Konsequenz zeigen, was sie falsch gemacht haben oder was sie anders tun sollten, können sie lernen, was richtig ist.

Stellen wir uns vor, ein Hund springt zur Begrüssung jedesmal an uns oder an Besuchern hoch. Für Hunde ist das ein sehr natürliches Verhalten. Besonders junge Hunde unter zwei Jahren tun dies sehr oft. Da aber die meisten Leute - mich eingeschlossen - dies nicht wollen, müssen wir dieses Fehlverhalten ruhig und freundlich umlenken.

Wenn ein Hund an uns hochspringt und wir dann mit ihm "schimpfen", kriegt er genau das, was er eigentlich wollte, nämlich unsere Aufmerksamkeit. Er wird also das nächste Mal höchstwahrscheinlich wieder versuchen, an uns oder unseren Besuchern hoch zu springen. Wenn wir aber dieses Verhalten einfach ignorieren, den Hund nicht ansprechen, nicht anschauen und uns nur wegdrehen, wenn er an uns hochspringt, wird der Hund merken, dass er mit seinem Verhalten nirgendwo hinkommt. Normalerweise wird der Hund dann weggehen und seine Strategie neu überdenken. Wir können diesen Denkprozess beobachten, wenn wir sehen, wie der Hund zum Beispiel seine Lippen leckt oder anfängt zu gähnen (gähnen bringt mehr Sauerstoff ins Gehirn!). Es kann sein, dass der Hund noch ein paar Mal versucht, an uns hoch zu springen. Wenn wir aber dieses Verhalten konsequent ignorieren, wird er lernen, dass so "nichts für ihn drin ist" und aus eigenem freien Willen sein Verhalten stoppen.

Der schwierigste Teil ist es für uns und unsere Besucher, während des "Denkprozesses" nichts für den Hund zu tun. Es ist aber sehr wichtig, dass der Hund selber merkt, welche seiner Aktionen ihm was bringen und welche nicht. Er wird sein Verhalten von sich aus ändern und viel glücklicher mit den neuen Regeln umgehen. Darin sind sie doch genau gleich wie wir, oder nicht?

Ein weiterer positiver Effekt ist, dass der Hund anfängt, selber zu denken und handeln und nicht nur auf uns reagiert. Wenn Du zum Beispiel die Leine in die Hände nimmst und Dein Hund sehr aufgeregt wird und zur Türe rennt oder anfängt, aufgeregt zu bellen, ignorierst Du dieses Verhalten. Leg die Leine wieder hin und mach etwas anderes, bis der Hund sich wieder beruhigt hat. Mach dies so oft, bis der Hund merkt, dass nichts passiert, wenn er aufgeregt und hyperaktiv reagiert. Er wird relativ schnell lernen, was er tun muss. Er wird das Verhalten von sich aus ändern und ruhig darauf warten, dass ihm die Leine angelegt wird. Und er hat wieder selber entschieden, welches das bessere Verhalten ist. Wenn wir nur auf gewünschte Verhalten reagieren, wird der Hund schnell alle ungewünschten Marotten ablegen. Weil "nichts für ihn drin ist"! Indem wir es seiner eigenen Intelligenz überlassen, die richtigen Entscheidungen  zu treffen, gehen wir respektvoll mit unserem Hund um und werden entdecken, dass er viel gescheiter ist, als wir das vielleicht für möglich gehalten haben. Wenn wir nun noch mit positiver Bestärkung korrektes Verhalten loben, werden wir bald einen entspannten Hund haben, der weiss, was von ihm erwartet wird und glücklich mit uns kooperiert.

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