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Selbstständig in Österreich: Welche Versicherungen brauchen Unternehmer wirklich?
Der Schritt in die Selbstständigkeit fühlt sich wie ein Befreiungsschlag an. Endlich eigene Entscheidungen treffen, den Arbeitsalltag selbst gestalten und das eigene Können direkt in Einkommen umwandeln. Was dabei gerne übersehen wird: Mit der unternehmerischen Freiheit wandert auch die komplette Verantwortung für die eigene Absicherung auf die Schultern der Gründerin oder des Gründers. Angestellte merken davon wenig, weil der Arbeitgeber einen großen Teil der Vorsorge automatisch übernimmt. Selbstständige hingegen müssen sich aktiv darum kümmern. Besonders junge Ärztinnen und Ärzte, die nach dem Studium eine Praxis eröffnen oder freiberuflich arbeiten, stehen plötzlich vor einem Versicherungsdschungel, durch den kein Uni-Seminar sie vorbereitet hat.
Sozialversicherung als Pflichtgrundlage für Selbstständige
In Österreich läuft die Pflichtversicherung für Selbstständige über die Sozialversicherungsanstalt der Selbständigen, kurz SVS. Darin enthalten sind Krankenversicherung, Pensionsversicherung und Unfallversicherung. Die Beiträge berechnet die SVS anhand des Einkommens und schreibt sie quartalsweise vor. Soweit klingt das erst einmal solide. Medizinerinnen und Mediziner mit eigener Ordination gehören zusätzlich dem Wohlfahrtsfonds der zuständigen Ärztekammer an, der eine berufsständische Altersversorgung bereitstellt. Das Problem: Trotz dieser Pflichtabsicherung klaffen Lücken. Und die gravierendste betrifft die Absicherung gegen Berufsunfähigkeit.
Warum die Berufsunfähigkeitsversicherung gerade für Mediziner entscheidend ist
Ohne Einkommen bricht für Selbstständige alles zusammen. So hart das klingt, so real ist es. Wer als Ärztin oder Arzt durch eine chronische Erkrankung, einen schweren Unfall oder auch eine psychische Belastung den Beruf nicht mehr ausüben kann, verliert damit die wirtschaftliche Grundlage. Mediziner tragen dabei ein besonderes Risiko. Infektionen im Klinikalltag, Rückenprobleme vom stundenlangen Stehen am OP-Tisch oder ein Burnout nach Jahren im Schichtdienst sind keine Seltenheit. Wer rechtzeitig die beste Berufsunfähigkeitsversicherung für die eigene Situation findet, verschafft sich eine Absicherung, die im Ernstfall den Unterschied macht. Ein weiterer Punkt, der oft unterschätzt wird: Je jünger und gesünder jemand beim Vertragsabschluss ist, desto weniger kostet die monatliche Prämie. Wer bis Mitte dreißig wartet und dann vielleicht schon Vorerkrankungen mitbringt, zahlt deutlich mehr oder wird im schlimmsten Fall gar nicht mehr versichert.
Leistungen der gesetzlichen Absicherung reichen selten aus
Viele Selbstständige wiegen sich in der Annahme, die staatliche Erwerbsminderungsrente oder der Wohlfahrtsfonds würden im Ernstfall ausreichen. Ein Trugschluss. Die Zahlungen decken meist nur einen kleinen Teil des bisherigen Einkommens. Beim ärztlichen Versorgungswerk sieht die Lage noch schwieriger aus: Eine volle Berufsunfähigkeitsrente gibt es dort erst bei hundertprozentiger Berufsunfähigkeit. Zusätzlich verlangen manche Versorgungswerke die Rückgabe der Approbation. Stellen Sie sich vor, Sie haben gerade fünf Jahre lang eine Praxis aufgebaut und sollen jetzt Ihre Zulassung abgeben, um überhaupt Leistungen zu erhalten. Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung funktioniert anders: Sie zahlt schon ab fünfzig Prozent Beeinträchtigung und verzichtet auf die sogenannte abstrakte Verweisung. Das bedeutet, niemand kann Sie auf einen völlig anderen Beruf verweisen.
Berufshaftpflicht schützt vor finanziellen Folgen von Behandlungsfehlern
Die Berufshaftpflichtversicherung ist für Ärztinnen und Ärzte keine optionale Zusatzabsicherung. Sie ist schlicht existenziell. Ein einziger Behandlungsfehler, ein falscher Schnitt, eine übersehene Kontraindikation, und die Schadensersatzforderung kann in die Millionen gehen. Wer als niedergelassene Ärztin oder Arzt ohne ausreichenden Haftpflichtschutz praktiziert, setzt die eigene finanzielle Zukunft aufs Spiel. Bei der Wahl der Deckungssumme spielt die Fachrichtung eine wichtige Rolle. Chirurgische Disziplinen brauchen höhere Summen als etwa die Allgemeinmedizin, weil dort das Risiko schwerwiegender Komplikationen größer ist.
Betriebsunterbrechungsversicherung für die eigene Praxis
Ein Rohrbruch in der Praxis am Freitagabend, ein Schwelbrand im Serverraum oder eine Krankheit, die drei Monate Pause erzwingt. In all diesen Fällen muss die Praxis schließen, aber die Kosten hören nicht auf. Miete, Leasingraten für Geräte, Löhne für das Praxisteam. Das alles läuft weiter, während kein Euro hereinkommt. Eine Betriebsunterbrechungsversicherung fängt genau diese Fixkosten auf und schafft Luft bis zur Wiedereröffnung. Gerade für Praxen mit teurer medizinischer Ausstattung und festem Personal kann sich diese Absicherung schnell bezahlt machen.
Krankentagegeld schließt die Lücke bei kurzer Arbeitsunfähigkeit
Wenn Angestellte krank werden, überweist der Arbeitgeber weiterhin das Gehalt. Selbstständige schauen in die Röhre. Die SVS zahlt ein Krankengeld, aber erst ab dem dreiundvierzigsten Tag. Und der Betrag liegt weit unter dem, was vorher auf dem Konto landete. Die ersten sechs Wochen müssen Selbstständige also komplett aus eigener Tasche finanzieren, obwohl gleichzeitig keine Einnahmen fließen. Eine Krankentagegeldversicherung füllt diese Lücke auf. Ärztinnen und Ärzte, die operativ arbeiten, sollten dabei auf möglichst kurze Karenzzeiten achten. Denn schon eine Sehnenscheidenentzündung oder eine Handverletzung kann sie für mehrere Wochen aus dem OP nehmen.
Private Krankenversicherung als Ergänzung oder Alternative
Ab einem gewissen Einkommen lohnt es sich, über eine private Krankenversicherung für Ärzte nachzudenken. Kürzere Wartezeiten, freie Arztwahl und direkter Zugang zu Fachärztinnen und Fachärzten ohne Überweisung sind handfeste Vorteile. Für Medizinerinnen und Mediziner gibt es darüber hinaus spezielle Tarife, die auf die berufliche Situation abgestimmt sind. Ob sich eine PKV tatsächlich lohnt, hängt aber stark von der persönlichen Situation ab. Familienstand, Kinderwunsch und Karrierepläne spielen eine Rolle. Hier lohnt sich eine unabhängige Beratung, die alle Faktoren nüchtern gegeneinander abwägt, statt einfach den günstigsten Tarif zu empfehlen.
Rechtsschutzversicherung gibt Sicherheit bei Streitigkeiten
Streit gehört leider zum Geschäftsleben. Ob ein Patient mit dem Behandlungsergebnis unzufrieden ist, ein Lieferant fehlerhafte Ware geliefert hat oder eine Behörde Auflagen macht, die sich nicht nachvollziehen lassen. In solchen Situationen hilft eine Rechtsschutzversicherung, die Anwalts- und Gerichtskosten übernimmt. Für Ärztinnen und Ärzte ist der Berufsrechtsschutz besonders sinnvoll. Er greift bei allen Auseinandersetzungen rund um die ärztliche Tätigkeit und deckt auch Streitigkeiten mit Versicherungsgesellschaften ab, wenn diese Leistungsanträge ablehnen.
Cyberabsicherung wird für Praxen zunehmend relevant
Patientendaten sind so sensibel wie kaum eine andere Datenart. Arztpraxen speichern Diagnosen, Befunde und persönliche Informationen digital. Ein Hackerangriff auf das Praxissystem kann den gesamten Betrieb stilllegen und gleichzeitig massive Datenschutzprobleme verursachen. Cyberversicherungen übernehmen die Kosten für die Wiederherstellung der Daten, die technische Aufarbeitung des Vorfalls und mögliche Schadensersatzansprüche von Betroffenen. Angesichts der Tatsache, dass immer mehr Praxen mit elektronischen Patientenakten und vernetzten Geräten arbeiten, wird diese Versicherungsart in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen.
Früh planen zahlt sich aus
Junge Ärztinnen, Ärzte und Medizinstudierende hören den Satz ständig: „Darum kümmere ich mich später." Genau das ist der teuerste Fehler. Wer bereits im Studium oder zu Beginn der Facharztausbildung mit der Absicherung anfängt, zahlt niedrigere Beiträge und muss weniger Gesundheitsfragen beantworten. Die Berufsunfähigkeitsversicherung etwa wird mit jedem Lebensjahr und jeder neuen Diagnose in der Krankenakte spürbar teurer. Manche Vorerkrankungen führen sogar dazu, dass ein Antrag komplett abgelehnt wird. Selbstständige in Österreich sollten ihre Versicherungsplanung deshalb nicht aufschieben, sondern mit einem unabhängigen Berater angehen, der die besonderen Anforderungen des medizinischen Berufsfelds versteht und nicht an einen bestimmten Anbieter gebunden ist.